Verunreinigung des heiligen Feuers

Es ist bekannt, dass im Tempel immer zwei Wächter auf das heilige Feuer aufpassen. Aber eines Tages in der Vergangenheit geschah es, dass einer der beiden Männer aus irgendeinem Grund fortging und während seiner Abwesenheit sein Gefährte einschlief und das Feuer ausgehen ließ. Als er aufwachte und sah, dass das Feuer erlöscht war, bekam er es mit der Angst zu tun.

Aber als sein Gefährte immer noch nicht zurückkam, beschloss er, weil das sehr leicht war, seinen Fehler ungeschehen zu machen, um dem Tod, den er verdient hatte, zu entgehen. Er rief nach der ersten besten Person, die vorüberkam, und bat sie ihm Feuer zu geben, um sein Kalumet anzuzünden, etwas, was diese Person gerne tat, weil sie wusste, dass es nicht erlaubt war, das ewige Feuer zu berühren, außer um es zu hüten, und dass kein anderer Gebrauch von ihm gemacht werden durfte.

Auf diese Weise wurde das Feuer durch ein entweihtes Feuer wieder entzündet. Sofort wurden die Sonnen krank. In wenigen Tagen starben sie in rascher Folge und es mussten viele Menschen ihnen in die Welt der Ahnen nachgeschickt werden, um ihnen zu dienen.

Diese Sterblichkeit dauerte vier Jahre lang, ohne dass irgendjemand erahnen konnte, was sie verursacht hatte. Neun aufeinanderfolgende Große Sonnen starben in diesem Zeitraum und viele Menschen mit ihnen. Schließlich wurde am Ende dieses Zeitraumes der Wächter selber krank. Dieser schlechte Mann sandte, als er fühlte, dass er nicht mehr lange zu leben hätte, eine Nachricht an die Große Sonne und bat, etwas von so großer Wichtigkeit sagen zu dürfen, dass, wenn er es nicht vor seinem Tode offenbarte, alle Natchez sterben würden.

Die Große Sonne besuchte ihn sobald wie möglich. Sofort, als der kranke Mann sie sah, zitterte er am ganzen Körper und es schien, als ob er überhaupt nicht sprechen könnte. Nur unter großen Schwierigkeiten sprache er diese Worte:

"Ich werde sterben, sodass es keinen Unterschied macht, ob mich die Krankheit oder ein Mensch tötet. Ich weiß, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil ich das, was ich dir sagen werde, so lange geheim gehalten habe, um mein Leben zu bewahren. Ich bin der Grund für den Tod meines Volkes, deshalb verdiene ich den Tod, aber lass mich nicht von den Hunden auffressen."

Die Große Sonne verstand aus diesen Worten, dass dieser Mann eines schweren Verbrechens schuldig war und dass es notwendig war, ihn zu beruhigen, um sein Geheimnis, das von äußerster Wichtigkeit zu sein schien, zu erfahren. Sie sprach daher zu ihm, dass er versichert sein könne, dass, was immer er auch getan habe, er nicht getötet würde und dass er begraben würde und dass das, was sie ihm versprach, so wahr war, wie es wahr war, dass die Sonne, ihr Vater, sie jeden Tag erleuchtete, und dass er sich beeilen sollte zu sprechen, bevor der Tod ihn daran hindern konnte. Auf dieses Versprechen hin gestand der schlimme Wächter alles, was er getan hatte, so wie ich es erzählt habe.

Sofort versammelte die Große Sonne die alten Männer um sich und durch ihren Rrat wurde entschieden, das noch am gleichen Tag gegangen werden sollte, um Feuer vom anderen Tempel zu holen. So wurde es getan und die Sonnen hörten auf zu sterben.

(Übersetzt aus dem Amerikanischen. Original unter: www.shamaniccircles/org.)   

Kinder Gottes

Der Mond, die Sonne, der Wind, der Regenbogen, der Donner, das Feuer und das Wasser trafen sich einstmals mit einem alten Mann. Dieser alte Mann war Gott. Ein menschliches Wesen war eingeladen, dabei zu sein. Dann fragte der Donner den alten Mann, "Kannst du die Menschen der Welt zu meinen Kindern machen?" "Nein, sie können deine Kinder nicht sein, aber deine Enkel. Wenn irgendetwas die Menschen belastet, kannst du das von ihnen nehmen." Die Sonne stellte dem alten Mann die selbe Frage. "Nein, sie können nicht deine Kinder sein, aber sie können deine Freunde und Enkel sein. Du kannst ihnen nur Feuer geben." Dann sagte der Mond, "Kannnst du die Menschen der Welt zu meinen Kindern machen?" "Nein, ich kann das nicht. Die Menschen der Welt können deine Neffen und Freunde sein." Dann bat das Feuer, dass die Menschen der Welt zu seinen Kindern gemacht würden und der alte Mann erwiderte, "Nein, ich kann sie dir nicht als deine Kinder geben, aber die Menschen der Welt können deine Enkel sein. Während sie aufwachsen, kannst du ihnen Wärme geben und etwas zum Kochen, von dem sie leben können." Dann stellte der Wind die Frage. "Nein, die Menschen der Welt können nicht deine Kinder sein, aber deine Enkel, damit du schlechte Luft und alle Arten von Krankheiten von ihnen nehmen kannst." Dann wollte der Regenbogen die Menschen zu seinen Kindern. "Nein, sie können nicht deine Kinder sein. Du kannst sie nur vor Überschwemmungen und Regenwetter bewahren. Das wird dir zur Ehre gereichen. " Dann bat das Wasser darum, dass die Menschen zu seinen Kindern gemacht würden, aber der alte Mann sagte, "Nein, die Menschen der Welt können nicht deine Kinder sein. Alles, was du tun kannst, ist sie zu reinigen. Wenn sie schmutzig geworden sind, kannst du sie waschen. Dadurch kannst du den Namen "Langes-Leben" erlangen. Dann sagte der alte Mann, "Ich habe euch erzählt, wie ihr euch zu verhalten und was ihr zu tun habt. Ihr alle müsst wissen, dass diese Kinder meine Kinder sind."

(Übersetzt aus dem Amerikanischen. Original bei John R. Swanton: Myths and Tales of the Southeastern Indians. In: Bureau of American Ethnology, Bulletin 88, Washington 1929. Widergegeben auf: www.sacred-texts.com)

Die Flut

Ein Mann hatte einen Hund. Eines Tages schaute der Hund nach Westen und begann zu jaulen. . . . Daraufhin sagte der Mann zu seinem Hund: "Warum jaulst du?" "Ich habe etwas entdeckt, das mich zu jaulen veranlasst. In etwa vier Tagen wird alles mit Wasser überflutet sein. Du solltest ein Floß machen, auf dem du entkommen kannst, so viel Holz, wie du kannst, auf ihm sammeln und ein kleines Feuer am Brennen halten. Wenn du mit dem Floß fertig bist, flechte ein Seil aus Fasern des Walnussbaumes, mit dem du es festbinden kannst, damit es nicht in den Ozean treibt."

Nachdem der Mann alles zusammengesammelt hatte, öffnete der Himmel seine Schleusen und Wasser stürzte hernieder und überflutete alles. Er und der Hund bestiegen das Floß. Der Hund hatte gesagt: "Wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, werden alle Arten von gefährlichen Lebewesen erscheinen. Nimm deshalb einen gegabelten Ast, entferne die Rinde und benutze ihn, um alles, was deinem Floß nahe kommt, wegzustoßen." Als das Wasser stieg, stieg das Floß auf ihm mit und man konnte sehen, wie viele Menschen auf Bäume kletterten. Als es noch höher stieg, konnte der Mann alle Arten von gefährlichen Lebewesen herumschwimmen sehen, die Menschen verschlangen. Schließlich stieg die Flut so hoch, dass alles Leben ertrank und es wurde noch weiter bis über die Wolken hochgetragen. . . . Dann bat ihn der Hund, ihn herunterzuwerfen und sagte: "Du wirst alleine zurückkehren zu dem Platz, von dem du gekommen bist. Wenn das Wasser anfängt zurückzugehen, musste du zurückkehren, aber du musst sieben Tage auf dem Floß bleiben, bevor du es verlässt. Es wird vorher zu morastig sein." Nach einigem Zögern gehorchte der Mann dem Hund und warf ihn ins Wasser.

Am siebten Tage nach seiner Rückkehr erschienen Menschen bei ihm, um Feuer von dem, das er auf dem Floß hatte, zu erhalten. Einige von ihnen waren nackt, einige trugen zerrissene Kleider und einige trugen sehr gute Kleider. Nachdem sie sich das Feuer geteilt hatten und der Untergrund fest zu werden begann, hörte (der Mann) Geräusche im Osten, als ob dort Menschen wären. Er ging in diese Richtung, um sie zu finden, aber als er den Platz erreichte, wo er dachte, dass sie wären, fand er keine. . . . Nach einer Weile kam ein alter Mann und stellte sich neben ihn. Er sagte: "Alle diese Geräusche, die du hörst, werden von Menschen gemacht, von denen du glaubst, dass sie nicht mehr leben. Du musst aber wissen, dass sie am Leben sind. Die Menschen, die kamen, um Feuer zu holen,waren Menschen, die schon vor langer Zeit gestorben ware. . . . Sie blieben bis zum heutigen Tag am Leben."

(Übersetzt aus dem Amerikanischen. Original bei John R. Swanton: Myth and Tales of the Southeastern Indians. In: Bureau of American Ethnology, Bulletin 88, Washington 1929. Widergegeben auf: www.sacred-texts.com)