Von den Anfängen der Natchez

Le Page Du Pratz berichtet von einem Gespräch mit einem der Tempelwächter, in dem dieser die folgende Darstellung von der Herkunft der Sonnen gab:

"Vor vielen Jahren erschien bei uns ein Mann und seine Frau, die beide von der Sonne herabgekommen waren; nicht, dass wir glauben, die Sonne habe eine Frau, die ihr Kinder zur Welt bringe oder dass diese beiden die Nachkommen der Sonnen wären; aber als sie zum ersten Mal bei uns erschienen, waren sie so strahlend und so leuchtend, dass wir keine Schwierigkeiten hatten zu glauben, dass sie von der Sonne heruntergestiegen waren. Dieser Mann sagte uns, dass er aus der Höhe gesehen habe, dass wir uns nicht gut regieren; dass wir keinen Herren haben; dass jeder von uns genug Vermessenheit besäße zu glauben, dass er fähig sei, andere zu regieren, während er sich noch nicht einmal selbst führen könne; er hielt es deshalb für angebracht herunterzukommen und uns zu lehren, wie man besser lebt."

"Er sagte uns darüber hinaus, dass wir, um in Frieden miteinander zu leben und um dem Großen Geist zu gefallen, unbedingt folgende Punkte beachten müssten; wir dürfen nie jemanden außer zur Selbstverteidigung töten; wir dürfen keine andere Frau näher kennen lernen als unsere eigene; wir dürfen nie etwas nehmen, das einem anderen gehört; wir dürfen weder lügen noch trinken; wir dürfen nie geizig sein, sondern müssen freizügig und mit Freuden ein Teil dessen geben, was wir haben und das andere bedürfen und müssen großzügig unsere Nahrungsmittel mit denen teilen, die sie nötig haben."

"Die Worte dieses Mannes beeindruckten uns tief, denn er sprach mit Autorität und er erzeugt selbst bei den alten Männern Respekt. . . . Am nächsten Tag boten wir ihm an, ihn als unser Oberhaupt anzuerkennen. . . . Schließlich akzeptierte er das Angebot, das ihm gemacht wurde, unter folgenden Bedingungen:

"Dass wir gehen und ein anderes Land bewohnen, das besser ist als das, in dem wir waren, und das er uns zeigen würde; dass wir von nun an gemäß der Anweisungen, die er uns gegeben hatte, leben würden; dass wir versprechen würden, niemals andere Herrscher über uns anzuerkennen als ihn und seine Nachkommen; dass der Adel durch die Frauen auf folgende Weise weitervererbt werden sollte: Wenn ich, sagte er, männliche und weibliche Kinder habe, sind sie Brüder und Schwestern und können nicht untereinander heiraten; der älteste Junge solle eine Frau unter den Gemeinen wählen, aber seine Söhne sollten nur Edle sein; die Kinder des ältesten Mädchens andererseits sollten Prinzen und Prinzessinnen sein und ihr ältester Sohn der Herrscher; aber ihre älteste Tochter sollte die Mutter des nächsten Herrschers sein, obwohl sie jemanden aus der Schicht der Gemeinen heiraten sollte; falls sie keine Tochter hätte, sollte die nächste weibliche Verwandte des Herrschers die Mutter des zukünftigen Herrschers sein; die Söhne des Herrschers und die Prinzen sollten ihre Ränge verlieren, aber die Töchter sollten ihre behalten."

"Dann sagte er uns, dass . . .  es nötig sei, einen Tempel zu bauen, den niemand außer den Prinzen und Prinzessinnen betreten dürfe, um zu dem Großen Geist zu sprechen. Dass in dem Tempel auf ewig ein Feuer bewahrt werden sollte, das er von der Sonne herunterholen würde, von der er selbst herabgestiegen war, dass das Holz, mit dem das Feuer genährt würde, reines Holz ohne Rinde sein sollte; dass acht weise Männer ausgewählt werden sollten, um das Feuer bei Nacht und Tag zu bewachen; dass diese acht Männer einen Anführer haben sollten, der über ihre Pflichten wachen und dass er, falls irgendeiner von ihnen gegen sie verstößt, getötet werden sollte. Er befahl außerdem in einiger Entfernung von unserem Volk, das damals sehr zahlreich war, einen weiteren Tempel zu bauen und dass auch dort das ewige Feuer bewahrt werden sollte, damit, falls es einmal verlöschen sollte, es von dort geholt werden konnte. . . "

"Da unser Volk mit diesen Bedingungen einverstanden war, stimmte er zu, unser Herrscher zu sein; und in Anwesenheit unseres ganzen Volkes holte er das Feuer für beide Tempel mit einem von ihm vorbereiteten Walnussbaumzweig von der Sonne herab. . . . "

(Übersetzt aus dem Englischen. Original bei Antoine Simone Le Page Du Pratz: History of Louisiana. London 1774)

 

 

Vom Ursprung der Chitimacha

Der Große Geist erschuf die Welt und alles, was sich auf ihr befindet, aus seinem eigenen Körper. Zunächst gab es nichts außer Wasser, das die Erde überall bedeckte. Der Große Geist erschuf die Fische und die Schalentiere, um im Wasser zu leben. Dann sagte Er dem Krebs, er solle im Wasser untertauchen und Schlamm heraufholen, um das Festland zu erschaffen. Sobald der Krebs dies getan hatte, erschuf der Große Geist den Menschen. Er nannte das Land und die Menschen "Chitimacha". . .

Der Große Geist gab den Chitimacha Gesetze, nach denen sie zu leben hatten. Eine Zeitlang war alles gut auf der Welt. Dann wurden die Chitimacha sorglos und vergaßen die Gesetze. Die Welt war nicht mehr länger gut und die Menschen kümmerten sich  nicht um ihr Leben. Der Große Geist wusste, dass etwas getan werden musste. Er dachte nach und dachte nach und schließlich machte Er den Tabak und erschuf die Frauen. Diese gab Er den Chitimacha.  

Die Welt brauchte Licht und Wärme, deshalb erschuf der Große Geist die Sonne und den Mond. Der Mond war der Mann und die Sonne war seine Frau. Der Große Geist sagte ihnen, dass sie häufig baden müssen, um stark genug zu sein, um Licht und Wärme geben zu können. Die Sonne tat, was der Große Geist sagte. Sie badete oft und blieb glänzend und leuchtend. Die Chitimacha haben immer die Sonne verehrt und sie war immer freundlich zu ihnen. Der Mond gehorchte den Anordnungen des Großen Geistes nicht. Er nahm keine Bäder. Bis zum heutigen Tag ist er bleich und gibt keine Wärme. Man kann sehen, wie er quer über den Himmel jagt, um die Sonne einzuholen, die von ihrem ungehorsamen Gatten davonläuft. 

(Übersetzt aus dem Amerikanischen. Original bei Chitimacha Tribe of Louisiana. Widergegeben auf: www.chitimacha.gov)