Auszüge aus "Vertreibung und Diaspora im nordamerikanischen Südosten. Auf den Spuren der Natchez"

"Vertreibung und Diaspora im nordamerikanischen Südosten. Auf den Spuren der Natchez" befasst sich mit dem Begriff der Diaspora-Gesellschaft und versucht Wege aufzuzeichnen, die zu einer Klärung der Frage beitragen können, wieso die Gesellschaft der Natchez so fest mit ihren Traditionen verbunden ist, dass sich auch heute noch Menschen auf ihre Natchez-Herkunft berufen. Helfen kann hierbei ein Blick auf neuere Diaspora-Ansätze, die die Diaspora als einen eigenen Gesellschaftstypus beschreiben.   

Inhalt

Vertreibung und Diaspora im nordamerikanischen Südosten. Auf den Spuren der Natchez

1. Vorwort

2. Neues Zuhause in der Fremde

    2.1. Diaspora und Identität

    2.2. Ethnogenese

    2.2. Zusammenfassung

3. Die Vertreibung der Creek und Cherokee

    3.1. Das Schicksal der Creek

    3.2. Die Diaspora der Cherokee

    3.3. Die Natchez: eine Diaspora-Gesellschaft?

4. Die Natchez Diaspora

    4.1. Der Weg in die Diaspora

    4.2. Stabilität der Traditionen

    4.3. Die Natchez heute

5. Perspektiven

6. Hinweise auf websites

7. Literatur

Ein verschwundenes Volk?

Die wesentlichen Aspekte, die im Buch angesprochen werden, kurz zusammengefasst.

A vanished people?

Leseprobe

Auszug aus "Vertreibung und Diaspora im nordamerikanischen Südosten. Auf den Spuren der Natchez".

Factsheet

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Diaspora und Identität

Lakomäki (2014: 5 ff.) wertet die zahlreichen Wanderungen der am Ohio beheimateten Shawnee quer durch den gesamten Osten der heutigen USA als eine Form der Anpassung an die durch das Eindringen der Europäer geschaffene Bedrohung. Die immerwährenden Bekenntnisse der Shawnee, sich in Zukunft wieder zu vereinigen, sind für Lakomäki keine reinen Lippenbekenntnisse sondern durchaus ernst gemeint, wie Bestrebungen zu mehr Kooperation nach dem Abzug Frankreichs zeigen. Dennoch blieben Zentralisierung und Fragmentierung in an verschiedenen Orten lebende lokale Gruppen als unterschiedliche Wege, das Überleben zu sichern, erhalten. Zwischen den einzelnen Gruppen sorgte Lakomäki (2014: 26 f., 31) zufolge ein Netzwerk aus gemeinsamen sozialen Beziehungen und religiöser Verbundenheit für die Aufrechterhaltung einer übergeordneten Identität. Selbst direkte Kontakte zwischen weit voneinander entfernt lebenden Gruppen waren möglich (Lakomäki, 2014: 33). Lakomäkis Beschreibung der Shawnee als einer Gesellschaft ohne einheitlichen Wohnort aber mit gemeinsamer Identität kann man durchaus als Skizzierung eines eigenen Gesellschaftstypus, der der Diaspora-Gesellschaft, verstehen. Daniel Cobb (in: Smithers und Newman, 2014) spricht auch dann von Diaspora, wenn die entsprechenden Personen und Gruppen zwar nicht aus ihrer ursprünglichen Lebensumgebung geflohen sind, sich ihr gesellschaftliches Umfeld aber so sehr geändert hat, dass sie darin nicht mehr heimisch sind.   

In der letzten Zeit hat vor allem Gregory Smithers (2014, 2015) sich mit Fragen der Diaspora und der Identitätsbildung am Beispiel der ursprünglich in den südlichen Appalachen lebenden Cherokee auseinandergesetzt. Der Begriff der Diaspora ist für ihn eng mit dem Bewusstsein der in der Fremden lebenden Menschen von ihrer eigenen Gruppe verbunden. Menschen, die sich kaum oder gar nicht kennen oder sich selten sehen, können nur dann ein Bewusstsein von einer Zusammengehörigkeit entwickeln, wenn sie sich ihrer eigenen Identität sehr sicher sind und mit ihr über einen starken Rückhalt verfügen. Smithers (2015) schlägt einen großen Bogen, indem er auch die außerhalb Nordamerikas lebenden Cherokee in seine Untersuchung mit einbezieht und selbst bei einer so weiten räumlichen Trennung noch ein gemeinsames Gruppenbewusstsein feststellen kann. Er warnt davor, indigene Gruppen voreilig als nicht existent zu bewerten (Smithers, 2014: 6). Man versperre sich damit den Blick auf Aktivitäten, mit denen sich die Indigenen in die kolonialen Prozesse einbrachten. Um zu verstehen, wie Indigene unter dem Druck der kolonialen Ereignisse ein Bewusstsein von der Identität der eigenen Gruppe aufrecht erhalten konnten, müsse untersucht werden, welche Traditionen aus ihrem Herkunftsland sie dorthin mitnahmen, wohin sie die kolonialen Machtverhätnisse verschlagen hatten (Smithers, 2014: 4 f.). Der Begriff der Diaspora versuche, beide Aspekte, den der indigenen Anpassungsleistungen und den der Beibehaltung traditioneller Werte, miteinander zu verbinden. Er stehe in der Tradition der "new social history", die sich gegen eine Sichtweise wendet, die einen Gegensatz zwischen den"zivilisierten" Europäern und den Indigenen konstruiert (Smithers, 2014: 8). Zudem sehe der Begriff Diaspora die Indigenen nicht nur als Opfer einer Entwicklung, die sie nicht beeinflussen können. 

Das Bewusstsein von der eigenen Identität hängt sowohl von der eigenen Wahrnehmung als auch davon ab, wie andere einen wahrnehmen. Identität ist somit eine Folge der sozialen Interaktion eines Menschen und der sozialen Strukturen, innerhalb denen er lebt. Hieraus kann sich für Menschen in der Diaspora eine Wahrnehmung von zwei Heimatländern ergeben, das, in dem sie tatsächlich leben, und das, das nur in ihrer Vorstellung besteht (Smithers, 2015: 20). Die Vorstellung von einem fernen Heimatland, in dem einst die Ahnen lebten, wird überall mit hingenommen, wo diese Menschen hinreisen oder wo sie sich niederlassen. 

Als einen wichtigen Faktor, der das Bewusstsein von der eigenen Identität entscheidend prägt, erwähnt Smithers (2014: 11 f.) die Hybridisierung. Gemeint ist damit . . . . . . . 

 

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Diaspora und Identität